Obwohl sich Social Media im privaten und beruflichen Umfeld immer mehr etablieren, werden sie immer noch von einer Minderheit aktiv genutzt. Teilweise hat das mit Vorurteilen und Unwissenheit zu tun. Teilweise findet man einfach nicht den richtigen Einstieg in die Sozialen Netzwerke. In unseren Sensibilisierungskursen werden wir immer wieder gefragt, wie man die ersten Schritte auf Sozialen Netzwerken planen und umsetzen sollte. Die folgende Checkliste soll Ihren Einstieg in Social Media erleichtern.

1. Wer bin ich?

Mit dem Erstellen eines persönlichen Nutzerprofils auf sozialen Netzwerken schaffen Sie sich eine eigene Identität in der digitalen Öffentlichkeit. Die digitale Identität prägt die Wahrnehmung Ihrer Personen in unterschiedlichen Kontexten im Internet. Bevor Sie ein Nutzerprofil eröffnen, stellen Sie sich folgende Fragen: Wer bin ich? Was mach ich? Wie will ich von anderen Nutzern wahrgenommen werden? Knüpfen Sie an Ihrer realen Identität an und spiegeln Sie keine falschen Eigenschaften und Sachverhalte vor. Bleiben Sie authentisch. Treten Sie in sozialen Netzwerken mit Ihrem Klarnamen (Vorname und Nachname) auf. So sind und bleiben Sie ein glaubwürdiger Gesprächspartner.

2. Was will ich?

Überlegen Sie sich, was Sie dazu motiviert, auf sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Was interessiert Sie an den Netzwerken und ihren Communitys? Was für einen Nutzen versprechen Sie sich von einer Teilnahme? Wollen Sie sich über Ihre Hobbys austauschen? Wollen Sie mit der Familie und mit engen Freunden unabhängig von Ort und Zeit kommunizieren? Wollen Sie lose Bekanntschaften pflegen und neue Kontakte knüpfen? Suchen Sie Unterhaltung und Zerstreuung? Oder wollen Sie sich beruflich (neu) positionieren? Ihre Ziele bestimmen nicht nur die Netzwerke, auf denen Sie aktiv sind, sondern auch die Art und Weise, wie Sie sich darstellen und wie Sie kommunizieren.

3. Wie viel gebe ich von mir preis?

Im Internet publizierte Daten und Inhalte sind kaum kontrollierbar. Sie werden ohne Ihr Wissen kopiert, weiterverbreitet, gespeichert, ausgewertet und für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für soziale Netzwerke. Legen Sie sich deshalb eine Taktik für das Publizieren persönlicher Daten und Inhalte zurecht. Ziehen Sie dazu klare Grenzen zwischen öffentlicher, privater und intimer Sphäre:

Sphären

  • Öffentlichkeit: Persönliche Angaben, die ausnahmslos für alle Nutzer zugänglich sind (z.B.: Vorname, Name, Profilbild).
  • Privatsphäre: Persönliche Angaben, die nur für ausgewählte Personen zugänglich sind (z.B.: Wohnort, Beruf, Hobbys, Freizeit, Beziehungsstatus, Familie).
  • Intimsphäre: Persönliche Angaben, die für nie­manden oder nur für engsten Bezugspersonen zugänglich sind (z.B.: Religiosität, Sexualität, Gesundheit).

Publizieren Sie nichts oder nur sehr zurückhaltend über Ihre Intimsphäre. Die Privatsphäre können Sie mit den entsprechenden Einstellungen auf den jeweiligen Netzwerken schützen.

Mehr Informationen finden Sie beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (www.edoeb.admin.ch) unter dem Stichwort «Soziale Medien».

4. Wer spricht wo über was?

Nachdem Sie Ihr Profil geschärft, Ihre Ziele definiert und Ihre Taktik bestimmt haben, hören Sie zu, wer in der digitalen Öffentlichkeit wo über die für Sie relevanten Themen spricht. Erstellen Sie dazu eine Liste mit max. einem Dutzend Schlüsselwörter, die Ihre privaten und/oder beruflichen Interessen treffend beschreiben. Richten Sie auf www.google.com/alerts eine E-Mail-Benachrichtigung zu den wichtigsten Schlüsselwörtern ein. Abonnieren Sie RSS-Feeds mit Ihren Schlüsselwörtern (z.B.: www.google.com/news in Kombination mit www.netvibes.com oder www.feedly.com). Und nutzen Sie die Möglichkeit, in sozialen Netzwerken mit sogenannten Hashtags («#») nach Ihren Schlüsselwörtern zu suchen. Prüfen Sie immer wieder die Tauglichkeit der Schlüsselwörter und passen Sie Ihre Liste allenfalls an. Vergessen Sie nicht, die digitale Öffentlichkeit regelmässig nach Ihrem eigenen Namen zu durchsuchen.

5. Wo soll ich aktiv sein?

Es gibt viele soziale Netzwerke. Facebook, Google+, Blogs, Twitter, Xing und LinkedIn zählen gegenwärtig zu den populärsten. Das Monitoring liefert Ihnen eine erste Entscheidungsgrundlage für eine Auswahl an Netzwerken, auf denen Sie aktiv sein könnten. Um ein Netzwerk und seine Communitys besser kennenzulernen, eröffnen Sie mit einem Minimum an persönlichen Angaben ein Nutzerprofil. Schauen Sie sich auf dem Netzwerk um, lesen Sie die Nutzungsbedingungen und die Richtlinien zum Datenschutz, probieren Sie die verschiedenen Funktionalitäten aus. Achten Sie darauf, wer vernetzt ist und wie über was gesprochen wird. Wählen Sie nach einer bestimmten Zeit ein, zwei oder drei Netzwerke aus, die Ihren gesteckten Zielen entgegenkommen. Vergessen Sie nicht, auf den Netzwerken, auf denen Sie nicht mehr aktiv sind, Ihr Nutzerprofil zu löschen.

6. Was gelten für Regeln?

Communitys haben ihre eigenen Hausregeln und Gepflogenheiten. Die expliziten Hausregeln publizieren Community-Manager oftmals in der sogenannten Netiquette. Kurz und bündig verfasst, beinhaltet sie die gegenseitigen Erwartungshaltungen an einen konstruktiven Dialog und legitimieren allfällige Sanktionen (z.B.: Löschen von Inhalten) bei Regelverstössen. Die impliziten Gepflogenheiten einer Community erschliessen Sie sich Ihnen, indem Sie auf Anrede, Tonalität, Feedbackkultur, Textlänge, Bildsprache, Gebrauch von Abkürzungen, Einsatz von Hashtags etc. achten. Jede Community hat eine eigene Kultur. Als aktives Mitglied prägen Sie diese mit. Auch für soziale Netzwerke gilt die Goldene Regel: Behandeln Sie die anderen Mitglieder einer Community so, wie Sie von ihnen behandelt werden wollen.

7. Wie vernetze ich mich?

Wollen Sie sich mit Menschen mit ähnlichen Interessen vernetzten? Achten Sie beim Monitoring auf Nutzer, die regelmässig gehaltvolle Beiträge zu Ihren Themen verfassen. Finden Sie heraus, ob die Nutzer einen Blog betreiben oder auf Twitter aktiv sind. Folgen Sie ihnen, studieren Sie deren Netzwerke und knüpfen Sie daran an. Wollen Sie im privaten Rahmen mit Ihrer Familie und/oder mit engen Freunden Nachrichten, Bilder und Videos tauschen? Eröffnen Sie dazu auf Facebook oder Google+ eine geschlossene Gruppe und laden Sie Ihre Familienmitglieder bzw. Freund in die Gruppe ein. Oder wollen Sie lose Bekanntschaften pflegen und neue Leute kennenlernen? Unterhalten Sie dazu ein halböffentliches Nutzerprofil auf Facebook und pflegen Sie es regelmässig mit bemerkenswerten Episoden aus Ihrem Alltag. Sehen Sie nach, was für Freunde Ihre Freunde haben und klopfen Sie bei denen auch mal an. Vielleicht wollen Sie sich beruflich (neu) positionieren? Eröffnen Sie dazu ein Nutzerprofil auf Xing und LinkedIn. Präsentieren Sie auf diesen Netzerken Ihre berufliche Seite: Aus- und Weiterbildung, Berufserfahrung, Kompetenzen etc. Pflegen Sie aktiv Ihre beruflichen Kontakte, treten Sie themenspezifischen Gruppen bei und bringen Sie sich mit sachdienlichen Beiträgen in den Dialog ein. Seien Sie vorsichtig, wenn soziale Netzwerke auf Ihre E-Mail-Adressen auf dem PC, Tablet oder Smartphone zugreifen wollen. Im schlimmsten Fall geben Sie so geschützte Geschäftsdaten bekannt.

8. Was publiziere ich?

Publizieren Sie Inhalte, die die Mitglieder in Ihren Communitys überraschen und inspirieren. Seien Sie originell: Zeigen Sie einen anderen, nämlich Ihren Blick aufs Leben, auf die für Sie relevante Themen und Ereignisse. Empfehlen Sie Gutes weiter, verlinken Sie interessante Quellen, verfassen Sie süffisante Kommentare und veröffentlichen Sie auch mal ein Foto oder Kurzvideo. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Achten Sie dabei das Persönlichkeitsrecht. Vermeiden Sie, auf feucht-fröhlichen Party-Fotos abgelichtet zu werden. Sprechen Sie Gäste, die wahllos mit ihren Smartphones auf Partys rumknipsen, darauf an. Überhaupt gilt eine Null-Promille-Grenze für soziale Netzwerke. Denn Surfen tun Sie wie Autofahren grundsätzlich im öffentlichen Raum. Dabei kann es schnell zu Verletzungen kommen.

9. Was sage ich?

Soziale Netzwerke leben vom Dialog. Regen Sie Gespräche an und geben Sie Rückmeldungen. Dialoge sind sehr wichtig für eine Community. Sie erlauben, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und erweitern so den Blickwinkel jedes einzelnen Nutzers. Konstruktive Dialoge bedingen allerdings Wahrhaftigkeit, Offenheit, Respekt, Fairness, Kritikfähigkeit und Lernbereitschaft. Die Dynamik sozialer Netzwerke fördert allerdings auch destruktive Dialoge: sei es zwischen einzelnen Nutzern, sei es zwischen vielen Nutzern und einer Organisation oder einem Unternehmen. Lassen Sie sich nicht unbedacht von Massenbewegungen in sozialen Netzwerken mitreissen. Seien Sie selbstkritisch, prüfen Sie die Standpunkte anderer und stellen Sie die richtigen Fragen. Ein gelungener Dialog hängt nicht von der Lautstärke, sondern von den feinen Zwischentönen ab. Bedenken Sie immer, bevor Sie aus einer aktuellen Stimmungslage eine Bewertung oder einen Kommentar abgeben, ob Sie am nächsten Tag noch hinter Ihrem Urteil stehen können.

10. Wie viel Zeit investiere ich?

Soziale Netzwerke haben ein gewisses Suchpotenzial. Das hat zwei Gründe. Einerseits eröffnen sie vielfältige Möglichkeiten der Kommunikation, Information und Unterhaltung. Andererseits kann man mit mobilen Geräten immer und überall auf sie zugreifen. Angesichts dieser Tendenzen verschmelzen die digitalen und realen Räume zusehends. Hybride Kommunikationsformen, die für viele Jugendliche heute selbstverständliche sind, stören ältere Generationen immer wieder. Neugierde, Dialog und Lernbereitschaft helfen auch hier, sich anbahnende Konflikte zu erkennen und zu entschärfen. Tatsache ist, dass ein erfolgreiches Engagement auf sozialen Netzwerken Zeit in Anspruch nimmt. Denn der erwartete Nutzen trifft nur dann ein, wenn Sie Ihr persönliches Profil aktuell halten, regelmässig publizieren und mit anderen Nutzern kommunizieren. Beobachten Sie deshalb, wie viel Zeit Sie in soziale Netzwerke investieren und beurteilen Sie Ihren Aufwand immer im Kontext Ihrer gesamten Mediennutzung.

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