Die eidgenössischen Wahlen 2015 rücken näher. In den Kantonen werden Kandidatinnen und Kandidaten nominiert. Viele machen sich intensiv Gedanken zum persönlichen Wahlkampf. Da tauchen schnell solche Fragen auf: Was soll ich im Web machen? Muss ich auf Social Media aktiv sein? Die folgenden fünf Fragen helfen Ihnen, Klarheit zu schaffen.

1. Was sind Social Media?

Diese Frage steht am Anfang Ihrer Erwägungen, ob Sie im Wahlkampf auf Social Media aktiv sein sollen oder nicht. Social Media sind keine Medien im klassischen Sinne. Denn das Wort «Social» steht für eine bestimmte Bedeutung. Doch welche? Kurz erklärt, verweist «Social» auf einen Kommunikationsraum, zu dem alle Nutzer einen freien und gleichberechtigten Zugang haben und sich untereinander verbinden können. Die Mehrheit der Nutzer beobachtet, was in diesem Raum passiert. Sie lesen, hören und schauen zu. Eine Minderheit publiziert selbst Inhalte und teilt sich mit. So werden Meinungen gemacht, oft Vorurteile bestärkt, manchmal Differenzen ausgetragen: Social Media sind der Echoraum unserer Gesellschaft.

2. Was sind Chancen und Risiken?

Social Media bieten Ihnen die Chance, ohne Vermittlungsleistung der klassischen Medien öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Vor allem Neukandidierende, die in den klassischen Medien selten erwähnt werden, können so ein selbstbestimmtes Porträt von sich zeichnen und systematisch Themen besetzen. Im Unterschied zu Veranstaltungen, die an Raum und Zeit gebunden sind, pflegen Sie in der digitalen Öffentlichkeit auch jenseits dieser Dimensionen den direkten Austausch mit Ihren Sympathisanten. Sie verstehen deren Sorgen und Hoffnungen noch besser. Sie entdecken vielleicht blinde Flecken in Ihrem politischen Programm.

Sie merken: Ein seriöses Engagement auf Social Media beansprucht Zeit. Es ist auch nicht zielführend, wenn Sie erst im Wahljahr damit beginnen, wahllos Social Media zu bespielen. Wer Profile eröffnet und sie nicht systematisch pflegt, verliert rasch an Glaubwürdigkeit. Überhaupt: Social Media sind keine Verlautbarungsorgane. Potenzielle Wählerinnen und Wähler erwarten von Ihnen einen Austausch auf Augenhöhe. Das schafft zwar Nähe; Nähe macht aber auch verletzlich. Sie müssen bereit sein, mit Kritik umzugehen. Das grösste Risiko besteht darin, dass Sie nur halbherzig und ohne Plan auf Social Media aktiv sind.

3. Soll ich nun auf Social Media aktiv sein?

Nachdem Sie sich schlaugemacht haben, was Social Media überhaupt sind. Und nachdem Sie sich mit den Chancen und Risiken auseinandergesetzt haben, müssen Sie eine klare Einstellung gegenüber der neuen Kommunikationsform im Social Web finden. Entspricht mir diese Art zu kommunizieren? Bin ich bereit, mich auf Social Media einzulassen und mich im Social Web zu exponieren? Wenn Ja, dann folgen Sie den weiteren Überlegungen dieser Checkliste. Wenn Nein, dann sehen Sie bitte von einem Engagement auf Social Media ab.

4. Was sind meine Ziele?

Für ein erfolgreiches Engagement auf Social Media definieren Sie klare Ziele. Dies tun Sie mit Blick auf die Tatsache, dass rund 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig das Internet nutzt. Gut 3,5 Millionen Schweizerinnen und Schweizer sind auf Facebook und schätzungsweise 250‘000 auf Twitter aktiv. Der Kurznachrichtendienst ist vor allem bei Meinungsbildnern aus Wirtschaft, Politik und Medien beliebt. Wer Aufmerksamkeit auf sich lenken will, muss also in der digitalen Öffentlichkeit präsent sein. Sie können sich drei Hauptziele setzen. Diese bauen aufeinander auf und erfordern ein unterschiedliches Mass an Engagement.

  1. Identität aufbauen
    Sie bauen eine digitale Identität auf. Wer im Internet nach Ihnen sucht, gelangt idealerweise zu Ihrer Präsenz, wo Sie ein selbstbestimmtes, authentisches Porträt von sich zeichnen.
  2. Position beziehen
    Sie publizieren regelmässig Inhalte. Auf Ihrer Website oder in Ihrem Blog kommentieren Sie vor dem Hintergrund Ihrer Kernthemen die Tagesaktualität. Indem Sie Position beziehen, werden Sie greifbar.
  3. Verhalten ändern
    Im gegenseitigen Austausch auf Social Media erfahren Sie, was potenzielle Wäherinnen und Wähler über Ihre Positionen denken. Sie können zuhören, nachfragen, argumentieren. Der Dialog fördert das gegenseitige Verständnis und führt im Idealfall zu einer Verhaltensänderung auf beiden Seiten.

5. Was für eine Strategie passt zu mir?

Je nachdem, welches der oben genannten Ziele Sie verfolgen, wählen Sie die passende Strategie:

  1. Mini-Strategie
    Sie erstellen eine einfache Website im Internet. Diese digitale Visitenkarte nutzen Sie, um sich als Politikerinn bzw. Politiker und – soweit wie Sie wollen – um sich auch als Geschäfts- und Privatperson zu porträtieren.
  2. Midi-Strategie
    Sie ergänzen Ihre Website mit einem Blog, in dem Sie regelmässig Inhalte publizieren und so Position beziehen. Um die Inhalte zu verbreiten, setzen Sie zusätzlich einen Newsletter und/oder Twitter ein.
  3. Maxi-Strategie
    Sie bauen um Ihre Website bzw. um Ihr Blog eine Community auf. Sie suchen dazu regelmässig den Austausch mit potenziellen Wählerinnen und Wählern. Hierzu ergänzen Sie Ihren Medienmix (Website, Blog, Newsletter) mit Twitter, Facebook und allenfalls mit Instagram und YouTube.

Denken Sie daran: Ein erfolgreicher Wahlkampf im Social Web braucht viel Engagement und einen langen Atem. Er beginnt vor der heissen Phase des eigentlichen Wahlkampfes und dauert darüber hinaus.

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