Das Swiss eGovernment Forum vom 7. März in Bern stand ganz im Zeichen von Social Media in der Verwaltung. Unter dem Titel «Öffentliche Verwaltung im Dialog – Wege zur Interaktion» lieferten verschiedene Referenten Gedankenanstösse und zeigten an Praxisbeispielen auf, wie sich die öffentliche Verwaltung in der Netzwerkgesellschaft entwickeln könnte. Für die Leserinnen und Leser von eDemokratie.ch haben wir die zentralen Aussagen zusammengefasst.

Wir stehen auf der Schwelle zur Netzwerkgesellschaft. Diese wird die Art und Weise, wie wir uns in der Gesellschaft organisieren, kommunizieren und zusammenarbeiten nachhaltig verändern. Darin waren sich die anwesenden Referenten einig. Mit Blick auf die öffentliche Verwaltung heisst das, dass die Kommunikation aufwändiger und im Gegenzug die Zusammenarbeit effizienter wird.

Aufwand in der Kommunikation

Bundesratssprecher André Simonazzi hat in seinem Eröffnungsreferat drauf hingewiesen, dass Onlinekommunikation die traditionelle Verwaltungskommunikation nicht ersetzen kann, sondern ergänzen muss. Bezüglich Social Media stehe für ihn allerdings fest, dass es heute nicht mehr um die Frage gehe, ob man auf Social Media kommunizieren solle, sondern wie diese Kommunikation auszusehen habe. Bei der Beantwortung dieser Frage lasse sich die Verwaltung vom Ansehen der Regierung sowie vom Zweck der Kommunikation leiten. Klar ist für Simonazzi, dass Social Media die Kommunikationskosten in den öffentlichen Verwaltungen steigen lassen.

Roman Kohler, Mitarbeiter Fachstelle Kommunikation der Stadt St. Gallen, bestätigte dies insofern, als für St. Gallen die 24-Stunden-Erreichbarkeit mittels Social Media ein anstrebenswertes Ziel ist. Als Social-Media-Enthusiast beantwortet er auch mal spät nachts eine Bürgeranfrage auf Twitter. Das Beispiel zeigt nicht nur, dass Social Media als Servicekanal zunehmend an Bedeutung gewinnen, sondern auch dass Social Media am Arbeitsplatz zu einem überdurchschnittlichen Engagement der Mitarbeitenden führen können.

Ertrag in der Zusammenarbeit

Der Aussicht auf höhere Verwaltungskosten in der Kommunikation begegnete Philipp Müller, Business Development Director bei CSC und Academic Dean SMBS an der Universität Salzburg, mit mehr Effizienz in der Produktion von Gemeinwohl. Open Government ist für ihn das Schlagwort in der Netzwerkgesellschaft. Nach Müller sind wir an einer «historischen Wende», in der die Führung in Verwaltung und Wirtschaft lernen muss, Offenheit als strategisches Prinzip einzusetzen. Konkret bedeutet das, mit weniger Aufwand mehr erreichen. Die Netzwerkgesellschaft beruht nach Müller nicht nur auf monetären Anreizen, sondern auch auf freiwilligem Engagement. Dies zeigen Beispiele wie Wikipedia oder Open-Source-Bewegungen. Bürgerinnen und Bürger, so Müller, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, wollen Probleme selbst lösen und sie nicht auf die Verwaltung abschieben. Social Media sind dazu das richtige Instrument. Mit ihnen können Probleme in einer Wertschöpfungskette schnell identifiziert und Lösungsansätze gesammelt und bewertet werden.

Die Bereitschaft zu mehr Interaktion und das Vertrauen ins Prinzip Offenheit gehören nach Alexandra Collm von der Universität St. Gallen zusammen, damit Verwaltungen einen gesellschaftlichen Mehrwert generieren können. Das auf dem Crowdsourcing beruhende Crowd Innovation versucht unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger Probleme im öffentlichen Raum zu identifizieren und mit ihnen zusammen Lösungsvorschläge zu finden. Die Interaktion über Social Media spielt dabei eine wichtige Rolle. Ihr Einsatz verbessert nach Collm nicht nur die Kommunikation und erhöht die Effizienz, sondern steigert auch die Innovationsfähigkeit und Flexibilität der Verwaltung.

Praxisbeispiele

Julian Petrin, Gründer und Geschäftsführer von Nexthamburg, und Günther Arber, Bereichsleiter Stadt- und Quartierentwicklung in der Stadtentwicklung Zürich, haben an zwei Praxisbeispielen vorgestellt, wie die Wege zu mehr Interaktion aussehen könnten. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich sowohl das Projekt Nexthamburg (www.buergervision.nexthamburg.de) als auch das Projekt Stadtdebatte Zürich (www.stadt-zuerich.ch/stadtdebatte) mit der städtischen Raumentwicklung beschäftigen. Denn die baulichen Entwicklungen und der Verkehr in den Städten sind Themen, von denen die Bürger direkt betroffen sind und von denen sie eine klare Vorstellung haben.

In der Diskussion hat sich gezeigt, dass solche Projekte in einem starken Spannungsfeld zwischen Partizipation und Realisation stehen. Einerseits möchte die Verwaltung die Bürger möglichst früh miteinbeziehen. Anderseits dauert es gerade bei der Raumentwicklung teilweise Jahre bis Jahrzehnte, bis sich etwas verändert oder ein konkretes Projekt umgesetzt wird. Dies birgt sicherlich ein gewisses Frustrationspotenzial.

InfoSocietyDays

An den InfoSocietyDays in Bern setzen sich jedes Jahr interessierte Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen mit aktuellen Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auseinander. In den drei Foren Swiss eEconomy, Swiss eGovernment und Swiss eHealth wird jeweils der Nutzen der IKT für Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen diskutiert.

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